Die 7 Heiligen Sakramente in der Koptisch-Orthodoxen Kirche

 

I. Sakrament: Die Taufe

 

Das erste Sakrament und Mysterium der Koptischen Kirche symbolisiert die Taufe als Wiedergeburt Christi: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht.“ (1. Kor 15,22) Zuerst wird der Täufling zweimal mit heiligem „Öl der Freude“ oder „Öl der Katechumenen“ gesalbt. Die Mutter, der Vater oder Pate hält das Kind auf dem linken Arm (bzw. der Katechumene), wendet sich mit erhobener rechter Hand nach Westen und spricht dem Priester nach: „Ich widersage dir Satan und all deinen unreinen Werken, all deinen bösen Kriegern, all deinen bösen Teufeln, all deiner Kraft, all deiner verachtenswerten Verehrung, all deinen bösen und täuschenden Listen, deinem Heer, deiner Macht und dem ganzen Heer deiner Heuchelei. Ich widersage dir, ich widersage dir, ich widersage dir.“ Die Mutter, der Vater oder Pate hält das Kind auf dem rechten Arm (bzw. der Katechumene), wendet sich mit erhobener linker Hand nach Osten und spricht: „Ich bekenne mich zu dir Christus, mein Gott, zu all deinen erlösenden Gesetzen, zu deinem lebensspendenden Dienst und zu all deinen lebensschaffenden Werken. Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den allmächtigen und seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus unseren Herrn und an den Heiligen Geist, den Lebensspender, an die Auferstehung des Leibes und an die eine einzige, heilige, universale und apostolische Kirche. Amen.“ Der Täufling wird dreimal komplett unter Wasser getaucht, wobei die Taufformel der Trinität rezitiert wird: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ein Gott, Amen.“ Es gibt zwei Taufbecken: ein kleineres für Kinder und ein größeres für Erwachsene. Jungen werden ab dem 40. Lebenstag getauft und Mädchen ab dem 80. Diese Tradition wurde aus dem Judentum übernommen. Das Taufwasser ist mit Oliven-, Galilaun- und Chrisamöl versehen. Nach der Taufe wird es entheiligt und im Bachlauf entsorgt. Es gelangt nicht in die Kanalisation.

Liturgisches Patriarchengewand mit Mitra für Jungen. Foto: Jennifer Peppler
Liturgisches Patriarchengewand mit Mitra für Jungen. Foto: Jennifer Peppler
Tauf-Gewand für Jungen (rechts), Tauf-Kleid für Mädchen (links). Im Hintergrund ist das Taufbecken aus Marmor für Erwachsene zu sehen. Foto: Jennifer Peppler
Tauf-Gewand für Jungen (rechts), Tauf-Kleid für Mädchen (links). Im Hintergrund ist das Taufbecken aus Marmor für Erwachsene zu sehen. Foto: Jennifer Peppler


 II. Sakrament: Die Firmung (Heilige Myron- oder Chrisam-Salbung)

 

Direkt im Anschluss an die Taufe folgt das zweite Initiationsritual die Firmung als heilige Myron- oder Chrisam-Salbung. Der Täufling wird bei der dritten Salbung an 36 Körperstellen (3 x 12) mit Myron- oder Chrisam-Öl gesalbt, z.B. an Stirn, Augen, Nase, Brust, Hüfte, Sprunggelenken, Schulter, Rücken und Bauch. Danach bekommen Jungen ein liturgisches, weißes Patriarchengewand mit rot-weiß-goldenen Stickereien angelegt und eine Krone oder Mitra aufgesetzt (neue Modeerscheinung). Mädchen erhalten ein weißes Kleid und Erwachsene eine Tunika. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt.“ (Gal 3,27) Anschließend wird der Täufling angehaucht und ihm ein rotes Band als Sakrament der Festigung umgebunden. Es symbolisiert die Erlösung durch das Blut Christi und darf erst acht Tage später abgenommen werden.


 III. Sakrament: Das Abendmahl

 

Kurz nach der Firmung empfängt der Täufling seine erste Kommunion, der ein Gottesdienst mit Stundengebet vorausgeht. Das letzte Abendmahl Christi erinnert daran, dass er uns seinen Leib (= Brot) gegeben und sein Blut (= Wein) für uns vergossen hat. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6,56) Unter anderem finden folgende Rituale statt: Altar-Vorbereitung, Opfergaben, Gebete, Handwaschung, Opferbrot-Auswahl, Brot-Verhüllung, Altar-Prozession, Gaben-Segnung, Kelch-Darbringung, Liturgien, Beweihräucherung, Lesungen, Fürbitten v.a. für den Frieden, Glaubensbekenntnis, Friedenskuss, Bekreuzigung und Segnung. Die Eucharistie-Feier dauert ca. 2-3 Stunden und endet mit einem gemeinsamen Agape-Mahl.

Koptischer Abendmahl-Kelch. Foto: Jennifer Peppler
Koptischer Abendmahl-Kelch. Foto: Jennifer Peppler
Frischer Teig des Hl. Brotes mit Stempel. Foto: Daniela Rutica
Frischer Teig des Hl. Brotes mit Stempel. Foto: Daniela Rutica
Koptischer Brot-Stempel. Foto: Jennifer Peppler
Koptischer Brot-Stempel. Foto: Jennifer Peppler


IV. Sakrament: Die Beichte

 

Der Beichtende senkt zur Buße und Versöhnung sein Haupt vor der Ikonostase und betet den Psalm 51 sowie das Glaubensbekenntnis. Seine Sünden muss er einzeln bekennen. „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (Joh 1,8f.). Die Gebete stammen aus der Anaphora des Hl. Gregorios. Gegebenenfalls wird 41-mal Kyrie eleison gebetet. „Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20,22f.)


V. Sakrament: Die Krankensalbung

 

Vor der Krankensalbung muss die Beichte vollzogen sein. „Sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ (Jak 5,14-15) Zu Beginn der Ölsalbung (al-Kandil) werden je sieben „Gebete der Lampe“ rezitiert und je eine der sieben Kerzen angezündet, da ursprünglich sieben Priester diese Zeremonie vollzogen. Der Ritus der 7 Gebete umfasst: 1. Krankengebet, 2. Gebet für die Reisenden, 3. Gebet für das Wasser, die Saaten, Pflanzen, Früchte und das Klima, 4. Gebet für den Präsidenten, 5. Gebet für die Entschlafenen, 6. Gebet für die Opfergaben, 7. Gebet für die Katechumenen. Mit dem heiligen Öl, das jedes Jahr am Karsamstag geweiht wird, werden Stirn, Brust und innere Handflächen gesalbt. Jeder der sieben Gebetsabschnitte beinhaltet Vaterunser, Eucharistie-Fürbitte, Lesung aus Paulus-Briefen, Psalmen, Trishagion, Evangelium-Abschnitt und Schlussgebet zur Heilung des Körpers und der Seele. Zum Beispiel bedeutet die Krankensalbung an der Stirn: „Heilige, o Herr, meine Gedanken”, am Hals: „Heilige, o Herr, meine Worte” oder an den Handgelenken: „Heilige, o Herr, meine Werke”. Nach der Verlesung des siebten Gebets folgen „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Gloria), Vaterunser, Glaubensbekenntnis und 41-mal Kyrie eleison. Im Anschluss an die drei Gebete um Sündenvergebung werden die Diakone sowie alle Teilnehmenden gesegnet und gesalbt. Der Kranke wird noch sieben Tage lang danach gesalbt. Eine Ölsalbung der Koptischen Kirche findet am Freitag vor der Karwoche statt.


VI. Sakrament: Die Eheschließung

 

Vor der Eheschließung oder Heiligen Krönung (el-Iklil) müssen eine erste Verlobung (al-Kotuba) mit Verkündigung und eine zweite Verlobung (al-Amlak) mit Besiegelung stattfinden. Die Verlobungszeremonien umfassen insbesondere die Segnung des Brautpaares, das Dankgebet und andere Gebete. Das Volk antwortet mit Kyrie eleison, Amen und axios („würdig“). Abschließend folgen der Segen und das Vaterunser. Bei der zweiten Verlobung kommen Weihraucherhebung, Lesungen (1. Kor 1,1-10), Trishagion, Psalme, Evangelium, drei Gebete zur Amlak-Schließung und Amlak-Dankgebet hinzu. Sie kann nicht mehr gelöst werden und wird heute direkt vor der Krönung zelebriert. Die Eheschließung beinhaltet zudem noch das Gebet der Unterwerfung, die Salbung des Paares sowie die Segnung der Kronen und Gebete zur Vergebung der Sünden. „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mt 19,5-6)

 

Koptische Hochzeitsgewänder und Kronen für das Brautpaar. Foto: Jennifer Peppler
Koptische Hochzeitsgewänder und Kronen für das Brautpaar. Foto: Jennifer Peppler


VII. Sakrament: Die Priesterweihe

 

Das 7. Sakrament umfasst ein dreistufiges Amt: Diakon – Priester – Bischof, d.h. dass jede Amtsstufe die vorherige Weihe voraussetzt. Die Wahlen und Unterzeichnung eines Zeugnisses erfolgen im Vorfeld. Mit liturgischem Gewand des entsprechenden Amtes empfängt der zu Weihende die Gnade des Hl. Geistes. Beim Weihegebet legt der Patriarch die Hand auf das Haupt des zu Weihenden, zeichnet ein Kreuz auf seine Stirn und teilt ihm seine Berufung mit. „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21) Danach erhält er sein neues Gewand und nimmt an dem Gottesdienst teil. Abschließend haucht der Patriarch in das Gesicht des Geweihten und legt seine rechte Hand auf dessen Haupt und Schulter. Am Pfingstfest erfolgt zumeist die Weihung eines Bischofs, der zuvor Mönch gewesen sein muss. Dies gilt auch für die Weihung des Patriarchen, wobei alle Bischöfe ihm die Hand auflegen. Der älteste Bischof spricht das Weihegebet und bekreuzigt ihn dreimal. Nachdem er alle bisherigen liturgischen Gewänder angezogen hat, folgt das Gewand des Patriarchen. Weiterhin erhält er eine Krone, einen Hirtenstab mit Koptischen Kreuz und wird auf dem Patriarchenstuhl inthronisiert. Zum Abschluss ruft das Volk dreimal axios. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16)


 Weiterführende Literatur

 

Koptisch-orthodoxes Kloster des heiligen Antonius in Kröffelbach: Theologische Bedeutung & liturgische Ausführung der sieben Sakramente in der koptisch-orthodoxen Kirche von Alexandrien. Mariut: 2015.

 

http://kroeffelbach.kopten.de/upload/upload_final/01_dkb-buecher_liturgie_buecher_final/05b.%20Liturgiebuecher_Theologische_Bedeutung_und_liturgische_Ausfuehrung_der_sieben_Sakramente.pdf