Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in Ägypten:

Geschichte und Gegenwart

(Fotos der Ausstellung: © Dr. Christian Hohmann)

 

Ergänzend zu den altägyptischen Malereien der Künstlerin und Ägyptologin Daniela Rutica wurde am 21. Mai 2017 in Zusammenarbeit mit Pfarrer Dr. Christian Hohmann eine Fotoausstellung mit dem Thema "Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in Ägypten. Geschichte und Gegenwart" eröffnet. Die Bilder stehen im thematischen Zusammenhang mit dem jeweiligen Thema des Raumes und entstanden bei den Pilger-Reisen nach Ägypten 2016/2017 mit S.E. Bischof Anba Damian. Die Fotoausstellung wurde von der Evangelischen Kirche von Westfalen finanziell unterstützt.

 


Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in der Welt

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist eine der ältesten Kirchen der Welt und die größte der christlichen Glaubensgemeinschaften in den arabischen Ländern. Das Wort Kopte geht auf das griechische Wort Αἰγύπτιοι zurück und bezeichnete seit griechisch-römischer Zeit die ägyptischen Einwohner der Hauptstadt Alexandria sowie die Bewohner Ägyptens allgemein. Heute wird der Begriff allein für die ägyptischen Christen verwendet.

Das pharaonische Ägypten war für die Bewohner des Gebietes von Syrien-Palästina im Altertum und der Antike von zentraler Bedeutung. In der Bibel wird Ägypten mehr als 600 Mal erwähnt und ist Mittelpunkt zahlreicher Erzählungen. Das Matthäus-Evangelium berichtet von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, wo das Jesuskind mit seinen Eltern Asyl vor der Verfolgung durch Herodes findet: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen" (Matthäus 2,13-15).

Als die Koptisch-Orthodoxe Kirche im 1. Jh. durch den Apostel Markus begründet wurde, war Ägypten eine Provinz des Römischen Reiches. Zur Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian (236-245 n. Chr.) erreichten die Christenverfolgungen einen traurigen Höhepunkt – auch in Ägypten, weshalb die Koptische Kirche auch als Kirche der Märtyrer bekannt ist und ihren Kalender auf Diokletians Regierungszeit zurückdatiert.

Die ersten christlichen Klöster entstanden in den ägyptischen Wüsten, daher ist Ägypten die Wiege des Mönchtums. Hier wurde die christliche Spiritualität zunächst von Einsiedlern – wie dem Hl. Antonius – während der Verfolgungen unter den römischen und später arabischen Herrschern bewahrt. Die erste Klostergründung geht auf den Hl. Anba Pachomius zurück. Seine in koptischer Sprache verfassten Klosterregeln wurden später ins Griechische und Lateinische übersetzt. Von Ägypten aus breitete sich das Mönchswesen in die Provinzen des Römischen Reiches aus und begründete damit auch das klösterliche Leben in der weströmischen und abendländischen Welt.

Die alexandrinische Schule Ägyptens hatte erheblichen Einfluss unter den altorientalischen Kirchen und auf die Beschlüsse des Konzils von Ephesos im Jahr 431. Nach den Streitigkeiten beim Konzil von Chalzedon (451 n. Chr.) kam es allerdings zum Bruch zwischen der altorientalischen, römischen und byzantinischen Kirche. Die theologischen Meinungsverschiedenheiten verhinderten viele Jahrhunderte lang ökumenische Kontakte zwischen den Glaubensgemeinschaften und konnten erst im letzten Jahrhundert endgültig beseitigt werden. Im Jahr 640 wurde Ägypten von den muslimischen Arabern erobert. War das Zusammenleben von Christen und Muslimen unter den wechselnden arabischen Herrscherdynastien zunächst friedlich, so hatten diejenigen Ägypter, die ihren christlichen Glauben nicht zugunsten des Islam ablegten, im Laufe der Zeit – und bis heute – unter zahlreichen Repressalien zu leiden.

In Ägypten leben heute ca. 11-18 Mio. Kopten, hinzu kommen ca. 2 Mio. Kopten in der Diaspora. Die größten Auslandsgemeinden befinden sich in Australien, Kanada und den USA. Oberhaupt der Koptischen Kirche und damit 118. Patriarch auf dem Stuhl des Hl. Markus ist seit 2012 Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. Sein Amtssitz befindet sich heute in Kairo. Als traditioneller Patriarchensitz dient daneben weiterhin die Markuskathedrale in Alexandria. Als Liturgiesprache wird noch heute das Koptische verwendet, eine Sprache, die direkt von der alten Sprache der Pharaonen abstammt und damit über 5.000 Jahre alt ist. Bis ins 17. Jh. wurde Koptisch teilweise als gesprochene Sprache innerhalb der koptischen Gemeinden verwendet.

(c) Text: Daniela Rutica


Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland

Oberster Repräsentant der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland ist Seine Exzellenz Bischof Anba Damian, der seit 2013 auch als Diözesanbischof die koptischen Gemeinden im Bistum Norddeutschland betreut. Die süddeutschen Gemeinden unterstehen Seiner Exzellenz Bischof Michael. In Deutschland gibt es zwei koptische Klöster, die gleichzeitig als Bischofsitz dienen: Das Kloster der Hl. Jungfrau Maria und des Hl. Mauritius in Höxter-Brenkhausen (Nordrhein-Westfalen) und das St. Antonius-Kloster in Kröffelbach (Hessen). Koptische Gemeinden befinden sich in Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf, Hannover, Berlin, Hamburg, Heidelberg, Trier, Minden, Bad Grund, Dresden, Bonn, Bremen, Bielefeld, Wismar, Dortmund, Duisburg, Leipzig und Wilhelmshaven. In den letzen Jahren sind – auch bedingt durch die Auswanderungswelle der ägyptischen Kopten nach den Terrorakten der Muslimbruderschaft – zahlreiche neue Gemeinden entstanden. Mittlerweile leben ca. 12.000 Kopten in Deutschland.

Das Kloster in Brenkhausen befand sich bis 1993 in einem beklagenswerten Zustand. Damals wurde es als Ruine von der Koptischen Kirche für den symbolischen Preis von einer Deutschen Mark erworben und wird seither liebevoll und fachkundig unter der Leitung von S.E. Bischof Anba Damian, von ägyptischen Mitarbeitern und deutschen Firmen nach den Standards der Denkmalbehörde saniert und renoviert. Die Arbeiten sind fast abgeschlossen und aus dem neuerblühten Klostergebäude ist ein beliebtes Ausflugsziel für Reisegruppen und Tagungen geworden. 2010-2011 gestaltete die ägyptische Künstlerin Dalia Sobhi die Klosterkapelle mit wundervollen Wandmalereien im koptischen Stil aus. Die Kapelle wurde 2013 von S.H. Papst Tawadros II. während seines Besuches in Brenkhausen feierlich eingeweiht. S.E. Bischof Anba Damian, der 1981 im Zuge seiner Facharztausbildung erstmals nach Deutschland kam und bis 1991 als Oberarzt in Baden-Württemberg angestellt war, entschied sich nach dieser Zeit für ein Leben im Dienst der Koptischen Kirche. Mit seiner bewundernswerten Arbeit in Brenkhausen und seiner Medienpräsenz hat er die Koptische Kirche in Deutschland bekannt gemacht. Als Kenner beider Welten wirbt er für Integration und Verständnis zwischen der abendländischen und orientalischen Kultur. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt daher auch in der ökumenischen Zusammenarbeit und intensiven Kontakten zu katholischen und evangelischen Gemeinden. Nach dem Attentat auf die Koptische Kirche in Alexandria in der Silvesternacht 2010 konnten einige der schwerverletzten Opfer auf Initiative von S.E. Bischof Damian zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden. Neben dem Koptischen Kloster betreut er aktuell auch einige altorientalische Gemeinden und über 600 Flüchtlinge in der nahegelegenen Zentralen Unterbringungseinrichtung in Borgentreich (s. Ökumene). Dort wurde ein provisorisches Gotteshaus für christliche Flüchtlinge eingerichtet, in dem regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Im Mai 2017 erwarb die Koptisch-Orthodoxe Kirche ein ehemaliges Schulgebäude in Bad Grund, um dort eine internationale Akademie zur Studienvorbereitung für junge altorientalische Christen und Christinnen einzurichten.

(c) Text: Daniela Rutica